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Intervallfasten vermutlich ungeeignet für Jugendliche

Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Alter eine bedeutende Rolle für die Auswirkungen von Intervallfasten spielt. Forschende der Technischen Universität München (TUM), des LMU-Klinikums München und des Helmholtz-Zentrums in München entdeckten bei jungen Mäusen, dass Intervallfasten die Entwicklung insulinproduzierender Betazellen beeinträchtigte. Die Ergebnisse geben Anlass zur Sorge hinsichtlich möglicher Risiken für Jugendliche.

Intervallfasten kann Gewichtsverlust unterstützen und den Stoffwechsel anregen. Doch bislang sind die möglichen Nebenwirkungen noch nicht gut erforscht. In der Studie zeigte das Team, dass Intervallfasten im Jugendalter langfristige negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben kann.

Positive Auswirkungen altersabhängig

Die Forschenden untersuchten drei Gruppen von Mäusen: heranwachsende, erwachsene und ältere Tiere. Die Mäuse blieben einen Tag lang ohne Nahrung und wurden zwei Tage lang normal gefüttert. Nach zehn Wochen verbesserte sich die Insulinsensitivität sowohl bei den erwachsenen als auch bei den älteren Mäusen. Das bedeutet, ihr Stoffwechsel reagierte besser auf das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin. Dies ist entscheidend für die Regulierung des Blutzuckerspiegels und die Vorbeugung von Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes.

Bei den heranwachsenden Mäusen zeigte sich jedoch ein beunruhigender Rückgang der Betazellfunktion, der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Eine unzureichende Insulinproduktion wird mit Diabetes und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht.

Defekte Betazellen ähneln denen von Typ-1-Diabetes-Patient*innen

Die Expert*innen nutzten hochauflösende Einzelzellsequenzierung, um die Ursache der Betazellschädigung aufzudecken. Durch die Untersuchung des Bauplans der Bauchspeicheldrüse stellte das Team fest, dass die Betazellen der jüngeren Mäuse nicht richtig reiften. „Irgendwann stellten die Zellen der heranwachsenden Mäuse ihre Entwicklung ein und produzierten weniger Insulin“, erklärte Peter Weber vom Helmholtz-Zentrum München. Ältere Mäuse, deren Betazellen bereits vor Beginn des Fastens reif waren, blieben unberührt.

Das Team verglich die Ergebnisse der Mausstudie mit Daten aus menschlichem Gewebe. Sie stellten fest, dass Patient*innen mit Typ-1-Diabetes, bei dem Betazellen durch eine Autoimmunreaktion zerstört werden, ähnliche Anzeichen einer gestörten Zellreifung zeigten. Dies deutet darauf hin, dass die Ergebnisse der Mausstudie auch für den Menschen relevant sein könnten.

„Unsere Studie bestätigt, dass Intervallfasten für Erwachsene vorteilhaft ist, für Kinder und Jugendliche jedoch Risiken birgt“, fasste Stephan Herzig, Professor an der TUM und Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs des Helmholtz Zentrums München, zusammen.

Quellen: medicalXpress, TUM, Cell Reports